Jährlich landen weltweit über 350 Millionen Tonnen Plastik auf Deponien oder in der Umwelt. Gleichzeitig fallen allein in der europäischen Holzindustrie rund 50 Millionen Tonnen Restholz an, die größtenteils verbrannt werden. Forschende der ETH Zürich haben jetzt einen Weg gefunden, diese beiden Probleme gleichzeitig zu lösen.

Von Sägespänen zum Verpackungsmaterial

Das neue Verfahren mit dem Namen „LignoPlast" nutzt Lignin — einen natürlichen Bestandteil von Holz, der bei der Papierherstellung als Abfallprodukt anfällt. Durch einen neuartigen katalytischen Prozess wird das Lignin in ein transparentes, flexibles Material umgewandelt, das optisch und haptisch kaum von herkömmlichem Plastik zu unterscheiden ist. Der entscheidende Unterschied: LignoPlast zersetzt sich auf dem Kompost innerhalb von 8 bis 12 Wochen vollständig.

Überraschend stabil und vielseitig

In Tests zeigte das Material Eigenschaften, die mit Polypropylen vergleichbar sind — einem der am häufigsten verwendeten Kunststoffe. LignoPlast ist hitzebeständig bis 95 Grad, wasserfest und kann in bestehenden Produktionsanlagen verarbeitet werden. „Das war der Schlüssel", sagt Projektleiter Prof. Dr. Marco Zeltner. „Ein neues Material nützt nichts, wenn man dafür komplett neue Fabriken bauen muss."

Erste Industriepartner stehen bereit

Drei große europäische Verpackungshersteller haben bereits Lizenzvereinbarungen mit der ETH unterzeichnet. Ab Anfang 2027 sollen die ersten LignoPlast-Verpackungen in Schweizer Supermärkten auftauchen — zunächst als Obstschalen und Joghurtbecher. Die Herstellungskosten liegen aktuell noch 20% über denen konventioneller Kunststoffe, sollen aber durch Skalierung innerhalb von zwei Jahren wettbewerbsfähig werden.

Ein Kreislauf, der funktioniert

Das Besondere an LignoPlast: Es schließt einen echten Kreislauf. Das Ausgangsmaterial stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, die Produktion ist CO2-neutral, und am Ende wird das Material zu Kompost, der wieder als Dünger in den Boden gelangt. Die ETH schätzt, dass allein in Europa jährlich bis zu 15 Millionen Tonnen Einwegplastik durch LignoPlast ersetzt werden könnten. Das EU-Parlament hat das Projekt in seine Liste der „Green Innovation Champions 2026" aufgenommen.

Originalquelle: SRF — „ETH Zürich entwickelt kompostierbaren Kunststoff aus Holzresten"

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