In Deutschland leben rund 80.000 gehörlose und etwa 16 Millionen schwerhörige Menschen. Für viele von ihnen ist der Alltag voller Kommunikationsbarrieren — beim Arzt, auf Ämtern oder einfach beim Einkaufen. Das Berliner Startup SignFlow will diese Barrieren mit einer App abbauen, die Gebärdensprache in Echtzeit übersetzt.

KI erkennt Hände, Mimik und Körperhaltung

SignFlow nutzt die Handykamera, um die Gebärden des Nutzers zu erfassen. Eine eigens trainierte KI analysiert nicht nur die Handbewegungen, sondern auch Mimik und Körperhaltung — beides ist in der Gebärdensprache bedeutungstragend. Die Übersetzung erscheint in unter einer Sekunde als Text auf dem Bildschirm oder wird per Sprachausgabe vorgelesen. In der umgekehrten Richtung wird gesprochene Sprache als Text angezeigt.

Drei Jahre Entwicklung mit der Gehörlosen-Community

Gründerin Lisa Chen, selbst Kind gehörloser Eltern, hat die App gemeinsam mit der Gehörlosen-Community entwickelt. Über 500 gehörlose Testpersonen waren an der Entwicklung beteiligt und haben die KI mit über 2 Millionen Gebärdenvideos trainiert. Das Ergebnis: eine Erkennungsgenauigkeit von 96% für die Deutsche Gebärdensprache (DGS). „Andere Übersetzungs-Apps wurden oft von hörenden Menschen für hörende Menschen gemacht", sagt Chen. „Wir haben es andersherum gemacht."

Kostenlos für Privatpersonen

Die Basisversion der App ist für Privatpersonen kostenlos — finanziert durch ein Freemium-Modell, bei dem Unternehmen und Behörden für erweiterte Funktionen zahlen. Die Berliner Verwaltung hat bereits 2.000 Lizenzen für ihre Bürgerämter erworben. Auch die Deutsche Bahn testet SignFlow an 50 Bahnhöfen. In der ersten Woche nach dem Launch wurde die App über 50.000 Mal heruntergeladen.

Ausweitung auf weitere Gebärdensprachen

Aktuell unterstützt SignFlow die Deutsche Gebärdensprache und die Österreichische Gebärdensprache. Bis Ende 2026 sollen die Deutschschweizer Gebärdensprache sowie die Britische und Amerikanische Gebärdensprache folgen. Das Startup hat dafür eine Series-A-Finanzierung über 12 Millionen Euro erhalten. Der Deutsche Gehörlosen-Bund hat die App als „wichtigsten technologischen Fortschritt für die Gehörlosen-Community seit dem Cochlea-Implantat" bezeichnet.

Originalquelle: Tagesschau — „Berliner Startup macht Gebärdensprache per App übersetzbar"

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